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Prof. Dr. Hans-Jörg Neuschäfer

Prof. Dr. Hans-Jörg Neuschäfer

Reihe des spanischsprachigen Films im Filmhaus (Mainzerstrasse)
präsentiert von Prof. Hans-Jörg Neuschäfer

 

Kurzbeschreibungen

 

Carlos Saura: De prisa de prisa (1980) 96 min. (»Goldener Bär« Berlinale 1981)

Spanien 1980. Das Land befindet sich mitten in der »transición« (dem Übergang von der Diktatur in die Demokratie). Man hat zwar die alte Ordnung schon hinter sich gelassen, ist aber in der neuen noch nicht wirklich angekommen. Es herrscht Ungewißheit: moralisch, politisch, alltäglich. Nur eines ist klar: der Lebenshunger, so lange unterdrückt, will gestillt sein, und zwar »schnell« (»de prisa«), egal wie.- Saura wurde heftig dafür kritisiert, dass er sich in diesem rasant geschnittenen Madrid-Krimi in die Perspektive der jugendlichen Delinquenten begibt, entgegen den moralingetränkten Usancen der Francozeit, in der die Jugendkriminalität tabu war. Dabei identifiziert er sich nicht mit seinen Protagonisten, bleibt ihnen allerdings, wie ein Dokumentarfilmer, eng auf der Spur. Einige von ihnen sind tatsächlich Laiendarsteller aus dem ‚Milieu’; der Hauptdarsteller kam später bei einem realen Banküberfall ums Leben.

Hauptdarsteller: José Antonio Valdelomar (el »Mini«), José María Hervás (el »Meca«), Jesús Arias (el »Sebas«) y Berta Socuéllamos (Ángela).

 


Montxo Armendáriz: Historias del Kronen (1996) 95 min.

 

»Historias del Kronen« ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von José Angel Mañas, einem Kultbuch der späten Neunziger. »Kronen« heißt die Madrider Bar, in der sich, während der Sommerferien, allabendlich eine Clique von locker miteinander befreundeten Gymnasiasten und Studenten trifft, um von dort aus, die Nacht zum Tag machend, überall dabei zu sein, wo etwas los ist oder wo sich etwas los treten lässt.

Im Mittelpunkt steht Carlos, aus ‚geordneten’ Verhältnissen kommend, ziemlich betucht, dazu intelligent, manchmal auch charmant und immer scheinbar uneingeschränkt zynisch. Für ihn gilt: nur die Schwachen brauchen eine Moral. Für seine Clique und ihn selbst hingegen gibt es keine Normen, keine Grenzen, keine Tabus. Maßlos der Alkoholkonsum, überreichlich der Drogengenuß, lieblos die kurzen sexuellen Begegnungen, irre die Geisterfahrt durch den Autobahntunnel der M 30; verwegen das Kletterduell am Viadukt der Calle Bailén u.s.f.. Hinter der Fassade einer extremen coolness aber dämmert die Einsicht, dass es so nicht weitergehen kann; dass es noch etwas anderes geben muß. Schon der Roman – und der Film folgt ihm darin – markierte im Grunde das Ende einer movida der Unverantwortlichkeit.

Hauptdarsteller: Juan Diego Botto (Carlos), Jordi Mollá , Nuria Prims.

 


Iciar Bollain: »Flores de otro mundo« (2000) 106 min.

Ein Autobus voller Frauen, die meisten von ihnen aus Hispanoamerika stammend, fährt von Madrid in die tiefe Provinz, wo es eine Menge heiratslustiger Männer gibt. Der Bürgermeister höchst selbst begrüßt die Ankömmlinge, die mit einer zünftigen Fiesta gefeiert werden. Dort kommt man sich näher; 3 Paare rücken jetzt in den Mittelpunkt: Die Dominikanerin Patricia, die für ihre Kinder den Halt sucht, den sie als illegale Einwanderin nur über eine Heirat mit einem Einheimischen bekommen kann. Sie findet ihn in dem ernsten Landwirt Damián. Die lebenslustige Kubanerin Milady hat mit dem machistischen Bauunternehmer Carmelo weniger Glück, aber sie gibt nicht klein bei. Die Spanierin Marirrosi versteht sich auf Anhieb prächtig mit dem sympathischen Landschaftsgärtner Alfonso, aber sie kommen trotzdem nicht zusammen.

Der Film basiert auf einem real existierenden und offiziell geförderten Integrationsprogramm, das nicht der Skurrilität entbehrt. Er besticht durch die ebenso witzige wie einfühlsame Form, mit der er die unausweichlichen interkulturellen Konflikte thematisiert.

Hauptdarsteller: Lissete Mejía (Patricia), Luis Tosar (Damián), Marilín Torres (Milady), José Sancho (Carmelo), Elena Irureta (Marrirosi), Chete Lera (Alfonso).

 



Carlos Iglesias: Un Franco, 14 Pesetas (2005) OmU 102 min.

Der Film nimmt die umgekehrte Perspektive zu »Flores del otro mundo« ein. Er erinnert die Spanier daran, dass sie selbst vor noch nicht allzu langer Zeit als Emigranten, sogenannte Gastarbeiter, im reichen Mitteleuropa ihr Auskommen suchen mussten. 2 Millionen waren es. Herausgegriffen werden zwei Freunde (Martín und Marcos), die es um 1960 in ein kleines, noch halb ländliches schweizer Industriestädtchen verschlägt. Als Facharbeiter (Metaller) finden sie rasch Arbeit, werden aber auch Versuchungen ausgesetzt, die man zu Haus, in Madrid, bald gewahr wird. Weshalb Pilar, die Frau von Martín (samt Söhnchen Pablo), sowie Mari Carmen, die Verlobte von Marcos, an Ort und Stelle alsbald selbst wieder das Heft in die Hand nehmen. Als Martíns Vater stirbt, beschließt man, mit dem Ersparten nach Spanien zurückzukehren. Aber die ‚Heimat’ ist inzwischen genau so fremd geworden, wie die inzwischen zur Heimat gewordene ‚Fremde’ es vorher war.

Hauptdarsteller: Carlos Iglesias (Martín), Javier Gutiérrez (Marcos), Nieve de Medina (Pilar), Isabel Blanco (Mari Carmen).

Dazu im Vorprogramm der Kurzfilm »Hiyab« (»Das Kopftuch«) von Xavi Sala (2006)

Auch in Spanien ist das muslimische Kopftuch ein Reizthema. Es wird hier auf überraschende Weise entschärft.

 

TERMINE:

Do, 8.11.07, 20h15: »De Prisa de prisa«

Mi, 14.11.07, 20h15: »Historias del Kronen«

Mi, 28.11.07, 20h15: »Flores de otro mundo«

Mi, 5.12.07, 20h15: »Un franco, 14 pesetas« + Kurzfilm »Hiyab«

Achtung! Alle Termine mittwochs, außer dem ersten, der auf Donnerstag liegt!

 

 

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